Schubser

Mitte Mai 2021 war ich nach einem nicht so ganz geglückten musikalischen Vortrag mit dem Zink kurzzeitig aus dem Gleichgewicht geraten, konnte meine Mitte aber recht schnell wiederfinden. Aber wie findet man eigentlich seine Balance und was passiert, wenn uns jemand oder etwas schubst? Hier meine Gedanken dazu:

In unserer Zeitung gab es vor ein paar Tagen einen Aufruf zum Schafe schubsen. Hier in Norddeutschland und vor allem an der Nordseeküste gibt es viele Schafe. Sie sind ein wichtiger Bestandteil des Küstenschutzes. Sie grasen auf den Deichen und mit ihrem sogenannten „goldenen Tritt“ trippeln sie mit den kleinen Hufen den Boden fest, so dass die Graswurzeln kompakt bleiben und die Erde und die Deiche insgesamt stabilisiert werden. Wenn die Schafe sich aber auf dem Rücken wälzen, kommen vor allem Rassen mit kurzen Beinen oder sehr dicke Schafe manchmal nicht mehr eigenständig auf die Beine zurück. Sie bleiben hilflos auf dem Rücken liegen, die Verdauungsgase sammeln sich im Pansen und sie verenden nach kurzer Zeit. Deshalb nun der Appell an alle Spaziergänger im norddeutschen Raum, wann immer man ein umgekipptes Schaf sehe, solle man beherzt ins Fell greifen und das Tier so schubsen, dass es wieder auf die eigenen Beine komme.

Häufig genügt ja wirklich ein kleiner oder auch mal etwas größerer Schubser, um wieder auf die Beine zu kommen, ins Gleichgewicht zu pendeln, das Leben in die richtigen Bahnen zu lenken, Fahrt aufzunehmen oder die Richtung zu ändern.

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Orte

Mitte April 2021 ist eine Geschichte mit nur einem ganz kleinen Zinkanteil entstanden. Auslöser der Geschichte war, dass wir für unser Ensemble Weserwind einen digitalen Raum gefunden haben, in dem wir gemeinsam proben können. Das hat mich zum Nachdenken gebracht über reale und virtuelle Orte und Räume:

Es gibt Orte, an denen man sich unwillkürlich wohl fühlt, zur Ruhe kommt oder auch neue Kraft schöpfen kann. Von Mensch zu Mensch können das sehr unterschiedliche Orte sein, die diese Wirkung erzeugen. Für den einen ist es z.B. eine helle Waldlichtung oder ein sonniger Aussichtspunkt in den Bergen bei glasklarer Luft und weitem Blick, für den anderen eine einsame Stelle an einem rauschenden Fluss oder ein sonnenglänzender Strand am Meer mit dem rhythmischen Geräusch der Wellen im Hintergrund. Aber auch von Menschen gemachte Räume können eine beruhigende und entspannende Wirkung entfalten wie z.B. ein nach Holz duftender Tischlerschuppen, eine große, von Stille oder von Orgelklängen erfüllte Kathedrale, ein gemütlicher Sitzplatz im Garten, eine zugige Garage, in der bei lauter heavy metal Musik Motorräder oder Oldtimer liebevoll poliert werden oder ein Wintergarten, in dem Zitronenbäumchen blühen. Das Schöne ist, dass man sich an alle diese Orte nicht nur in der realen Welt, sondern mithilfe der Vorstellungskraft auch in seiner inneren Welt begeben kann.

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vergessen

Ende März 2021 habe ich viel nachdenken müssen über das Vergessen. Dieses Thema ist im Alltag präsent, im Büro und natürlich auch beim Zinken. Um alles, was ich beim Zinken bisher gelernt habe nicht zu vergessen, habe ich eine prima Lösung gefunden:

Wenn man älter wird kann es vorkommen, dass man mal etwas vergisst. Das finde ich auch gar nicht schlimm. Eigentlich finde ich es sogar ganz lustig, wenn ich im Hauswirtschaftsraum vor unserem Vorratsschrank stehe und genau weiß, dass ich etwas holen wollte, aber nicht mehr genau, was. Zurück in der Küche fällt mir dann natürlich sofort wieder ein, was mir fehlt und dann laufe ich innerlich schmunzelnd ein zweites Mal zum Vorratsschrank.

Manchmal liege ich abends schon bequem und entspannt auf dem Sofa herum wenn unsere Geschirrspülmaschine mit einem akustischen Signal darauf aufmerksam macht, dass sie fertig ist. Meist reagiere ich ein wenig unwillig auf das Piepsen, stehe aber auf und gehe in die Küche, um die Maschine auszuschalten. Ich mache dann auch irgendetwas in der Küche oder hole mir was zu trinken. Und wenn ich dann wieder auf dem Sofa liege piepst die Maschine erneut und mein Mann fragt, ob ich nicht eigentlich den Geschirrspüler ausstellen wollte.

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Kleinigkeiten

Ende Februar 2021 bin ich stolze Besitzerin eines der ersten echten „Gebhard-David-Zinken“ geworden. Die kleinen Unterschiede zu meinem alten Zink haben mich über Kleinigkeiten und ihre Auswirkungen nachdenken lassen:

Kleinigkeiten können unser Leben extrem beeinflussen. Das beginnt schon bei der Zeugung, wenn ein winziger Samen und eine mikroskopisch kleine Eizelle aufeinandertreffen, miteinander verschmelzen und unser Erbgut damit unwiederbringlich festgelegt ist. Unser Geschlecht ist abhängig von minikleinen X- und Y-Chromosomen. Später im Leben können kleine Zufälle unseren weiteren Lebensweg bestimmen. Wenn man in der Schule Pech hat und Unterricht hat bei einem Mathelehrer, der es nicht schafft einen für das Fach zu begeistern und mathematische Zusammenhänge so zu präsentieren, dass sie verstanden werden, kann sich unter Umständen die feste Überzeugung manifestieren, dass man Mathe nicht mag und nicht kann. Das ist mit anderen Fächern natürlich ebenso. Mit viel Glück erschließt sich einem vielleicht später einmal im Leben die Erkenntnis, dass Mathe, Geschichte, Poesie, Sport oder irgendein anderer ungeliebter Bereich doch auch seine Berechtigung hat und gar nicht so beängstigend, langweilig oder unverständlich ist.

Mit dem bloßen Auge nicht sichtbare Bakterien oder Viren können dazu führen, dass man erkrankt oder sich zumindest gesundheitlich beeinträchtigt fühlt. Ein klitzekleiner Splitter im Finger kann gemein schmerzen und sogar eine Entzündung nach sich ziehen. Weiterlesen „Kleinigkeiten“

sauber

Anfang Februar 2021 habe ich viel nachdenken müssen über das Thema „Sauberkeit“, nicht nur im Haushalt, sondern auch anderswo. Herausgekommen ist folgende Geschichte:

Wenn etwas sauber ist bedeutet das nicht, dass es auch porentief rein oder viren- oder bakterienfrei ist. In der augenblicklichen pandemischen Situation haben wir alle gelernt uns so die Hände zu waschen, dass sie nicht nur sauber sind, sondern darüber hinaus Bakterien und Viren den langen und intensiven Waschvorgang nicht überleben. Ein Büro, das ich tagsüber benutzt habe, hinterlasse ich meinen Kolleginnen und Kollegen nicht nur sauber, also krümel- und biomüllfrei, sondern ich desinfiziere neuerdings gründlich alles, was ich angefasst habe wie Schreibtischoberflächen, Tastaturen, Locher, Tacker und Telefonhörer, bevor ich Feierabend mache.

Dass es einen Unterschied gibt zwischen „sauber“ und „rein“, ist meiner Generation noch aus der alten Werbung mit Klementine vertraut: „Ariel wäscht nicht nur sauber, sondern rein!“ Da müssen wir uns nur wieder dran erinnern, wie glücklich Klementine und ihre zunächst ungläubigen und skeptischen Kundinnen sind und wie schön es sich anfühlt, wenn wieder einmal bewiesen wird, dass es weißer geht als weiß und sauberer als sauber, nämlich rein!

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falsch

Was ist falsch und was ist richtig? Gibt es ein richtiges dauerhaftes „falsch“? Bleiben Dinge immer richtig oder können sie auch mal falsch werden? Wer sagt einem, was falsch und was richtig ist? In diesen Zeiten (Januar 2021) rätselt man ja viel herum, z.B. ob es richtig ist eine Maske zu tragen und wenn ja, welche und wenn das geklärt ist, wie man sie richtig trägt und reinigt. Gut, dass ich das Zinken als Ausgleich habe, aber auch da gibt es Richtiges und Falsches:

Es gibt Dinge, die sind und bleiben falsch, egal wie man sie dreht und wendet. Das ist zum Beispiel in der Mathematik so.  2 + 2 = 4. Das ist unumstößlich richtig und das kann man auch beweisen. 2 + 2 = 5 ist dagegen eindeutig eine falsche mathematische Aussage. Leider ist es aber abseits der Mathematik nicht immer ganz einfach festzustellen, was falsch und was richtig ist.

Richtig war in den Augen vieler Menschen über lange Zeiträume hinweg die Annahme, dass die Erde eine flache Scheibe ist und die Sonne um sie kreist. In der Medizin war die Vier-Säfte-Lehre von der Antike bis ins 19. Jahrhundert hinein weit verbreitet. Weiterlesen „falsch“

Kleidung

Anfang Dezember 2020 hat mich das Turmblasen zum Nachdenken gebracht über Vorurteile und Schubladendenken:

Kleider machen Leute. Bewusst oder unbewusst schätze ich andere Menschen auf den ersten Blick ein und mache mir ein Bild von ihnen. Ihre Kleidung hilft dabei. Einen Menschen in einem Krankenhaus, der einen weißen Arztkittel trägt, ordne ich als Arzt ein. In der Regel habe ich dann auch gleich schon eine passende Schublade für ihn: gute Schulbildung, Lateinkenntnisse, hohes Einkommen, möglicherweise musisches Hobby, hört auch klassische Musik usw. Einen Menschen in der entsprechenden Uniform erkenne ich als Soldaten oder Polizisten, jemand in der Kirche mit einem schwarzen Talar wird ein Pfarrer sein und jemand in einem Anzug vielleicht ein Rechtsanwalt, Börsenmakler oder Mitarbeiter in der Teppichetage in einem größeren Konzern. Und ein Mensch, der sich im Winter in mehrere schmuddelige Kleidungsstücke übereinander einmummelt, hat wahrscheinlich keinen festen Schlafplatz.

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Freiheit

Mitte Oktober 2020 stehen wir in Deutschland am Beginn der Zweiten Welle der Corona Pandemie und es ist erstaunlich, wie viele Einschränkungen unserer persönlichen Freiheitsrechte wir vor lauter undefinierter Angst einfach so akzeptieren. Dabei ist Angst keine Lösung!
Und irgendwie hängt das auch alles mal wieder mit dem Zinken zusammen:

In Deutschland können wir in Freiheit leben. Artikel 2 unseres Grundgesetzes regelt in seinen zwei Absätzen: (1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt. (2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.

Diese Freiheit ist in unserer Kultur ein hart erkämpftes hohes Gut. Es gibt andere Kulturen, in denen die persönliche Freiheit des Einzelnen weniger wichtig ist als zum Beispiel das Wohl der Familie oder der kollektive wirtschaftliche Fortschritt. Ich bin aber sehr froh und dankbar, dass ich in einer Gesellschaft lebe, in der ich selber bestimmen kann, wie ich leben möchte und auch das grundgesetzlich verbriefte Recht dazu habe.

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genug

Muss man sich bevorraten und sicherheitshalber mehr von allem horten, als man tatsächlich braucht? Ist weniger mehr? Meine Zink-Unterrichtsstunde Anfang September 2020 hat mich mal wieder über so einiges zum Nachdenken gebracht:

Es gibt viele Dinge, von denen man nicht genug haben kann. Dazu gehören Liebe, Humor, Optimismus, Lebensfreude und Gesundheit. Bei all diesen Dingen gibt es keine Obergrenze und eine Beschränkung des Wachstums wird in der Regel wohl auch niemand freiwillig vornehmen. Es gibt auch viele Dinge, die man unbegrenzt an andere Menschen weitergeben kann wie z.B. Liebe, Humor, Optimismus, Lebensfreude, ein Lächeln, menschliche Wärme und positives Feedback. Auch hier gibt es keine Begrenzung und die Ressourcen scheinen sich auch nicht zu verringern sondern auf wundersame Weise zu vermehren, je mehr man davon abgibt.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch viele Dinge, von denen man nur glaubt, nicht genug haben zu können.

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Hilfsmittel

Mitte Juli 2020 mache ich so langsam einige Fortschritte an meiner Lieblingsbaustelle beim Zinken: der Doppelzunge. Manchmal können einem auch ganz unerwartete Dinge beim Weiterkommen helfen:

Um uns das Leben zu erleichtern, können wir auf eine Vielzahl von Hilfsmitteln zurückgreifen. Manchmal sind es dabei die kleinen Dinge, die einen ganz praktischen Nutzen haben. Dazu gehört beispielsweise Tesafilm, mit dem man nahezu alles – zumindest vorübergehend – reparieren kann. Oder auch Post-it Haftnotizzettel, die man wunderbar überall hin kleben und ebenso wunderbar und ganz leicht wieder entfernen kann.

Auch unser Gehirn bedient sich so mancher Hilfsmittel, um energieeffizient die gewünschten Ergebnisse zu liefern. Eselsbrücken sind beliebt, um sich Dinge besser merken zu können. „Drei-drei-drei, bei Issos Keilerei“ erinnert an die Schlacht Alexanders des Großen bei Issos um 333 v.Chr. Der Spruch „Sieben-fünf-drei, Rom kroch aus dem Ei“ hilft bei der zeitlichen Einordnung der Gründung Roms. Mit dem Merksatz „Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unsere neuesten Pläne“ konnte man sich ganz leicht Weiterlesen „Hilfsmittel“