richtiger Platz

Mitte September 2021 sind mir auffallend häufig Dinge begegnet, die an einem falschen Platz waren. Aber waren sie das wirklich?

Kürzlich habe ich meine Brille vermisst. Sie lag nicht in dem Regalfach, wo ich sie normalerweise hinlege. Ich habe einige Zeit vergeblich nach ihr gesucht, bis ich sie schließlich auf meiner Nase gefunden habe. Das mag nun an meinem Alter liegen, bei der Gelegenheit habe ich aber gemerkt, dass es mir wichtig ist, dass Dinge an ihrem richtigen Platz sind und alles seine Ordnung hat.

Wenn es geht, buche ich mir für Veranstaltungen oder auch längere Zugfahrten einen festen Sitzplatz. Unerfreulich wird es dann, wenn bei der Bahn der Wagen, in dem mein Platz sich befindet, gesperrt ist und ich dann doch zeitweilig stehen muss. Bei Konzerten habe ich es schon erlebt, dass wegen zu geringer Nachfrage in bestimmten Sitzplatzbereichen die Reservierungen dort vor Ort aktuell aufgehoben werden und man in diesem Bereich freie Sitzwahl hat. Gut, wenn man dann früh genug da ist, um sich einen vernünftigen Platz auszusuchen und man nicht hinter einer Säule oder auf einem unbequemen Klapp-Zustell-Stuhl Platz nehmen muss.

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Ende …

Ende Juli 2021 habe ich mich intensiv mit Schlusspunkten und Enden beschäftigt. Auf die Thematik aufmerksam geworden bin ich wieder einmal, wie so oft in den letzten vier Jahren, durch meinen Zinkunterricht.

Kürzlich haben wir uns im Zinkunterricht mit der musikalischen Gestaltung eines längeren schnellen Laufes beschäftigt. Damit er sich nicht langweilig anhört, sollen Tempo und Spielfluss nicht gleichförmig vor sich hin tackern, sondern die Töne und die ganze musikalische Phrase idealerweise mit kleinen Anläufen, Verzögerungen oder sonstigen Tempoveränderungen abwechslungsreich perlen. Auch die Dynamik soll nicht immer gleichbleiben, sondern ebenfalls ständig leicht variieren. Zudem sind Kraft, Luft und Energie so einzuteilen, dass alles mindestens bis zum Ende des letzten Tones ausreicht. Insgesamt soll sich der Spannungsbogen bis zur Endnote und noch darüber hinaus erstrecken. Am Schwierigsten für mich war und ist die Gestaltung des Schlusstones. Das Timing passt oft nicht. Ich stolpere in den letzten Ton entweder zu schnell hinein, mache davor eine zu lange Pause, verliere mit zu viel Ritardando vorher insgesamt zu viel Tempo, erwische den Schlusston von der Intonation her nicht richtig, würge ihn zu früh oder lustlos oder genervt ab, gestalte das Ende zu abrupt, denke nicht über den letzten Ton hinaus weiter oder komme sowieso gar nicht am Ende an, weil ich schon vorher frustriert den Lauf abgebrochen habe, wenn sich wieder einmal Finger oder Doppelzunge oder auch beides vertüddelt hatten. Es ist ganz erstaunlich, wie lange und intensiv man sich mit ein paar wenigen Tönen beschäftigen kann.

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Erinnerungen

Es gibt gute Erinnerungen und nicht so gute. Sie können sich auch im Laufe der Zeit verändern, entweder von alleine oder weil wir sie bewusst beeinflussen. Kürzlich habe ich vier wunderbare Tage auf einem musikalischen Workshop verbracht und schwelge Anfang Juli 2021 noch immer in den wunderbaren Erinnerungen.

Im Laufe meines Lebens habe ich viele Erinnerungen angesammelt. Allerdings ist mir dabei klar, dass die Dinge, an die ich mich zu erinnern meine, gar nicht unbedingt so auch stattgefunden haben. Andere Menschen erinnern ein und dieselbe Sache oft unterschiedlich. Das wird beispielsweise bei Zeugenaussagen in Gerichtsprozessen deutlich. Der eine hat drei Schüsse gehört, jemand anders vielleicht vier oder noch mehr oder gar keinen. Auch Personenbeschreibungen bilden nicht immer das wirkliche Abbild des zu beschreibenden Menschen ab und Phantombilder können zuweilen irreführend sein. Wenn Zeit vergeht, verschwimmt auch oftmals die Erinnerung oder wird durch Bilder, eigene Gedanken oder Impulse von außen überlagert, verändert oder verfälscht. Bei zwei Gelegenheiten, bei denen ich erwartet hatte, als Zeugin aussagen zu müssen, habe ich mir daher vorsichtshalber sofort nach dem Geschehen Notizen gemacht.

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mehr

In der augenblicklichen, hauptsächlich von Angst und Unwissenheit geprägten pandemischen Zeit Ende Mai 2021 ist es manchmal schwer zu erkennen, dass die wahllose Addition verschiedener Maßnahmen vielleicht gar nicht immer so wirkungsvoll ist, wie erhofft. Manchmal hilft auch ein Weg- oder Loslassen. Bei anderen Dingen ist das auch so und vor allem natürlich beim Zinken:

In der jüngsten Ausgabe (6.21) der Zeitschrift „Spektrum der Wissenschaft“ bin ich auf einen interessanten Artikel des Schriftstellers und Wissenschaftspublizisten Michael Springer gestoßen. Er beschreibt darin das Phänomen, dass zwar mathematisch betrachtet Addition und Subtraktion gleichrangige Grundrechenarten sind, wir Menschen aber dazu neigen, Probleme eher durch Hinzufügen zu lösen als durch Wegnehmen. In einer sozialpsychologischen Versuchsreihe sahen sich Probanden damit konfrontiert, z.B. eine wacklige Legokonstruktion zu stabilisieren oder ein Farbmuster symmetrisch zu gestalten. Obwohl das Hinzufügen von Elementen Spielgeld kostete, bevorzugten die meisten Testteilnehmer eine additive Lösung, indem sie stützende Legosteine einbauten oder Farbfelder hinzufügten. Dabei hätte es für jede der Problemstellungen eine elegante Lösung durch Wegnehmen von Legosteinen oder Farbfeldern gegeben. Auch nach Hinweis auf die Möglichkeit des Wegnehmens, blieben die meisten Probanden bei ihrer additiven Lösung.

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Schubser

Mitte Mai 2021 war ich nach einem nicht so ganz geglückten musikalischen Vortrag mit dem Zink kurzzeitig aus dem Gleichgewicht geraten, konnte meine Mitte aber recht schnell wiederfinden. Aber wie findet man eigentlich seine Balance und was passiert, wenn uns jemand oder etwas schubst? Hier meine Gedanken dazu:

In unserer Zeitung gab es vor ein paar Tagen einen Aufruf zum Schafe schubsen. Hier in Norddeutschland und vor allem an der Nordseeküste gibt es viele Schafe. Sie sind ein wichtiger Bestandteil des Küstenschutzes. Sie grasen auf den Deichen und mit ihrem sogenannten „goldenen Tritt“ trippeln sie mit den kleinen Hufen den Boden fest, so dass die Graswurzeln kompakt bleiben und die Erde und die Deiche insgesamt stabilisiert werden. Wenn die Schafe sich aber auf dem Rücken wälzen, kommen vor allem Rassen mit kurzen Beinen oder sehr dicke Schafe manchmal nicht mehr eigenständig auf die Beine zurück. Sie bleiben hilflos auf dem Rücken liegen, die Verdauungsgase sammeln sich im Pansen und sie verenden nach kurzer Zeit. Deshalb nun der Appell an alle Spaziergänger im norddeutschen Raum, wann immer man ein umgekipptes Schaf sehe, solle man beherzt ins Fell greifen und das Tier so schubsen, dass es wieder auf die eigenen Beine komme.

Häufig genügt ja wirklich ein kleiner oder auch mal etwas größerer Schubser, um wieder auf die Beine zu kommen, ins Gleichgewicht zu pendeln, das Leben in die richtigen Bahnen zu lenken, Fahrt aufzunehmen oder die Richtung zu ändern.

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Orte

Mitte April 2021 ist eine Geschichte mit nur einem ganz kleinen Zinkanteil entstanden. Auslöser der Geschichte war, dass wir für unser Ensemble Weserwind einen digitalen Raum gefunden haben, in dem wir gemeinsam proben können. Das hat mich zum Nachdenken gebracht über reale und virtuelle Orte und Räume:

Es gibt Orte, an denen man sich unwillkürlich wohl fühlt, zur Ruhe kommt oder auch neue Kraft schöpfen kann. Von Mensch zu Mensch können das sehr unterschiedliche Orte sein, die diese Wirkung erzeugen. Für den einen ist es z.B. eine helle Waldlichtung oder ein sonniger Aussichtspunkt in den Bergen bei glasklarer Luft und weitem Blick, für den anderen eine einsame Stelle an einem rauschenden Fluss oder ein sonnenglänzender Strand am Meer mit dem rhythmischen Geräusch der Wellen im Hintergrund. Aber auch von Menschen gemachte Räume können eine beruhigende und entspannende Wirkung entfalten wie z.B. ein nach Holz duftender Tischlerschuppen, eine große, von Stille oder von Orgelklängen erfüllte Kathedrale, ein gemütlicher Sitzplatz im Garten, eine zugige Garage, in der bei lauter heavy metal Musik Motorräder oder Oldtimer liebevoll poliert werden oder ein Wintergarten, in dem Zitronenbäumchen blühen. Das Schöne ist, dass man sich an alle diese Orte nicht nur in der realen Welt, sondern mithilfe der Vorstellungskraft auch in seiner inneren Welt begeben kann.

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vergessen

Ende März 2021 habe ich viel nachdenken müssen über das Vergessen. Dieses Thema ist im Alltag präsent, im Büro und natürlich auch beim Zinken. Um alles, was ich beim Zinken bisher gelernt habe nicht zu vergessen, habe ich eine prima Lösung gefunden:

Wenn man älter wird kann es vorkommen, dass man mal etwas vergisst. Das finde ich auch gar nicht schlimm. Eigentlich finde ich es sogar ganz lustig, wenn ich im Hauswirtschaftsraum vor unserem Vorratsschrank stehe und genau weiß, dass ich etwas holen wollte, aber nicht mehr genau, was. Zurück in der Küche fällt mir dann natürlich sofort wieder ein, was mir fehlt und dann laufe ich innerlich schmunzelnd ein zweites Mal zum Vorratsschrank.

Manchmal liege ich abends schon bequem und entspannt auf dem Sofa herum wenn unsere Geschirrspülmaschine mit einem akustischen Signal darauf aufmerksam macht, dass sie fertig ist. Meist reagiere ich ein wenig unwillig auf das Piepsen, stehe aber auf und gehe in die Küche, um die Maschine auszuschalten. Ich mache dann auch irgendetwas in der Küche oder hole mir was zu trinken. Und wenn ich dann wieder auf dem Sofa liege piepst die Maschine erneut und mein Mann fragt, ob ich nicht eigentlich den Geschirrspüler ausstellen wollte.

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Kleinigkeiten

Ende Februar 2021 bin ich stolze Besitzerin eines der ersten echten „Gebhard-David-Zinken“ geworden. Die kleinen Unterschiede zu meinem alten Zink haben mich über Kleinigkeiten und ihre Auswirkungen nachdenken lassen:

Kleinigkeiten können unser Leben extrem beeinflussen. Das beginnt schon bei der Zeugung, wenn ein winziger Samen und eine mikroskopisch kleine Eizelle aufeinandertreffen, miteinander verschmelzen und unser Erbgut damit unwiederbringlich festgelegt ist. Unser Geschlecht ist abhängig von minikleinen X- und Y-Chromosomen. Später im Leben können kleine Zufälle unseren weiteren Lebensweg bestimmen. Wenn man in der Schule Pech hat und Unterricht hat bei einem Mathelehrer, der es nicht schafft einen für das Fach zu begeistern und mathematische Zusammenhänge so zu präsentieren, dass sie verstanden werden, kann sich unter Umständen die feste Überzeugung manifestieren, dass man Mathe nicht mag und nicht kann. Das ist mit anderen Fächern natürlich ebenso. Mit viel Glück erschließt sich einem vielleicht später einmal im Leben die Erkenntnis, dass Mathe, Geschichte, Poesie, Sport oder irgendein anderer ungeliebter Bereich doch auch seine Berechtigung hat und gar nicht so beängstigend, langweilig oder unverständlich ist.

Mit dem bloßen Auge nicht sichtbare Bakterien oder Viren können dazu führen, dass man erkrankt oder sich zumindest gesundheitlich beeinträchtigt fühlt. Ein klitzekleiner Splitter im Finger kann gemein schmerzen und sogar eine Entzündung nach sich ziehen. Weiterlesen „Kleinigkeiten“

sauber

Anfang Februar 2021 habe ich viel nachdenken müssen über das Thema „Sauberkeit“, nicht nur im Haushalt, sondern auch anderswo. Herausgekommen ist folgende Geschichte:

Wenn etwas sauber ist bedeutet das nicht, dass es auch porentief rein oder viren- oder bakterienfrei ist. In der augenblicklichen pandemischen Situation haben wir alle gelernt uns so die Hände zu waschen, dass sie nicht nur sauber sind, sondern darüber hinaus Bakterien und Viren den langen und intensiven Waschvorgang nicht überleben. Ein Büro, das ich tagsüber benutzt habe, hinterlasse ich meinen Kolleginnen und Kollegen nicht nur sauber, also krümel- und biomüllfrei, sondern ich desinfiziere neuerdings gründlich alles, was ich angefasst habe wie Schreibtischoberflächen, Tastaturen, Locher, Tacker und Telefonhörer, bevor ich Feierabend mache.

Dass es einen Unterschied gibt zwischen „sauber“ und „rein“, ist meiner Generation noch aus der alten Werbung mit Klementine vertraut: „Ariel wäscht nicht nur sauber, sondern rein!“ Da müssen wir uns nur wieder dran erinnern, wie glücklich Klementine und ihre zunächst ungläubigen und skeptischen Kundinnen sind und wie schön es sich anfühlt, wenn wieder einmal bewiesen wird, dass es weißer geht als weiß und sauberer als sauber, nämlich rein!

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falsch

Was ist falsch und was ist richtig? Gibt es ein richtiges dauerhaftes „falsch“? Bleiben Dinge immer richtig oder können sie auch mal falsch werden? Wer sagt einem, was falsch und was richtig ist? In diesen Zeiten (Januar 2021) rätselt man ja viel herum, z.B. ob es richtig ist eine Maske zu tragen und wenn ja, welche und wenn das geklärt ist, wie man sie richtig trägt und reinigt. Gut, dass ich das Zinken als Ausgleich habe, aber auch da gibt es Richtiges und Falsches:

Es gibt Dinge, die sind und bleiben falsch, egal wie man sie dreht und wendet. Das ist zum Beispiel in der Mathematik so.  2 + 2 = 4. Das ist unumstößlich richtig und das kann man auch beweisen. 2 + 2 = 5 ist dagegen eindeutig eine falsche mathematische Aussage. Leider ist es aber abseits der Mathematik nicht immer ganz einfach festzustellen, was falsch und was richtig ist.

Richtig war in den Augen vieler Menschen über lange Zeiträume hinweg die Annahme, dass die Erde eine flache Scheibe ist und die Sonne um sie kreist. In der Medizin war die Vier-Säfte-Lehre von der Antike bis ins 19. Jahrhundert hinein weit verbreitet. Weiterlesen „falsch“