Advent

eine zinkfreie Adventsgeschichte aus Dezember 2018:

In der Vorweihnachtszeit genieße ich viele, zum Teil seit der Kindheit vertraute Rituale und stimme mich damit auf das kommende Weihnachtsfest ein. Dass es Zeit wird, sich auf Weihnachten zu freuen, merke ich immer spätestens im September an meinem Ärger darüber, dass schon die ersten Spekulatius angeboten oder Weihnachtsbäume in den Läden aufgestellt werden. Um den ersten Advent herum backe ich dann Kekse und experimentiere auch nicht groß mit neuen Rezepturen oder Back-Trends herum. Vanillekipferl sind jedes Jahr mit dabei und das Rezept für meine berühmten Schokoladenbrezeln stammt noch von meiner Großmutter. Seit unsere Kinder aus dem Hause sind und ich die Kekse alleine backe, habe ich allerdings die Menge der Kekse doch mittlerweile stark eingeschränkt.

Für mich ist auch bestimmte Musik untrennbar mit der Adventszeit verbunden. Aus meinem Notenschrank hole ich voller Vorfreude vergilbte Blätter mit den alten Klaviersätzen der schönsten Weihnachtslieder hervor und spiele sie andächtig vor mich hin. Einige CDs höre ich mir tatsächlich nur im Dezember an. Das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach gibt es eigentlich jedes Jahr irgendwo in der Nähe live zu hören und sofern die Trompeter das Konzert nicht vergeigen genieße ich die festliche Stimmung dieser Konzerte.

Als unsere Kinder noch kleiner waren, haben sie pünktlich zum 01.12. eines Jahres jeder einen eigenen Adventskalender bekommen. Der Kindergarten, den unsere Jungs besucht haben, war seinerzeit eine zuckerfreie Zone und dieses Konzept habe ich aus pädagogischen, gesundheitlichen und zahnmedizinischen Gründen aus vollem Herzen unterstützt. Einige Jahre habe ich mir daher viel Mühe gegeben, die Adventskalender zuckerfrei zu gestalten. Bei drei Kindern war das aber enorm viel Aufwand und hat ein hohes Maß an Kreativität erfordert. Ich muss zugeben, dass ich von diesem Konzept dann doch irgendwann abgewichen und auf Schokolade umgestiegen bin. Die Kinder haben sich damals sehr über meine Kehrtwende gefreut.

Interessant fand ich immer, wie unterschiedlich die Kinder mit den Adventskalendern umgegangen sind. Sie sollten ja eigentlich schon auch damit ein wenig lernen sich an Regeln zu halten, Erwartung und Spannung auszuhalten und sich auf die beiden etwas größeren Päckchen am Nikolaustag und an Heiligabend besonders zu freuen. Bis zum Schluss hat das aber nicht bei allen Jungs funktioniert. Mindestens einer hatte schon immer gleich alles spätestens am 02.12. vertilgt. Kreativ fand ich das heimliche Vertauschen der 24 Päckchen, so dass die größten auf einmal bereits Anfang Dezember zum Auspacken anstanden und die kleinsten dann erst kurz vor Weihnachten zu öffnen waren. Erst war ich besorgt, was es wohl tiefenpsychologisch und für die weiteren Persönlichkeitsentwicklungen zu bedeuten habe, dass die Jungs zum Teil nicht in der Lage waren, Spannung und Vorfreude auszuhalten und sie nicht gegen den Impuls ankämpfen konnten oder wollten, alle Schokolade gleich auf einmal zu essen. Jetzt sind sie aber doch alle erwachsen geworden. Zum Teil essen sie gar keine Schokolade mehr und versuchen sich weitestgehend zuckerfrei zu ernähren. Einer isst immer noch alle Schokolade zu Weihnachten gleich auf einmal auf, ernährt sich aber sonst sehr gesund und ist in seinem Leben absolut in der Lage, vorausschauend zu planen, sich an Regeln zu halten und Spannung auszuhalten.

In diesem Jahr haben mein Mann und ich von unserem mittleren Sohn und seiner Freundin einen großen Adventskalender geschenkt bekommen. Hinter jedem Türchen befinden sich besondere und ausgefallene Gewürze, Öle, Aromen oder Pralinen. Ich bin schon ganz gespannt, was es da noch alles geben wird. Mein Mann und ich wechseln uns mit dem Öffnen der Türchen ab und es war klar, dass ich natürlich anfangen und das erste Türchen aufmachen durfte. Leider ist mir erst im Laufe des Dezember aufgegangen, dass ich damit einen großen und schweren taktischen Fehler begangen habe. Die verlockend großen Türchen sind mit der 6 und der 24 beschriftet, also mit geraden Zahlen. Ich bin ja aber nun auf die ungeraden Zahlen festgelegt und werde daher die großen Türchen gar nicht aufmachen dürfen. Seit Tagen ärgere ich mich schon maßlos, dass ich da am Anfang nicht richtig überlegt habe und die ganze Angelegenheit viel zu impulsiv und nicht planvoll genug angegangen bin. Mir ist noch kein Weg eingefallen, wie ich unbemerkt von den ungeraden auf die geraden Zahlen wechseln kann um zumindest das größte Türchen am 24.12. öffnen zu dürfen, Nikolaus ist ja schon vorbei. Mein Mann kann natürlich auch die geraden von den ungeraden Zahlen unterscheiden so dass er schon merken würde, wenn ich mich vordrängele und einfach mal aus Versehen zwei Tage hintereinander die Türchen öffne. Dann wäre er zwei Tage hintereinander dran und ich bleibe wieder auf den ungeraden Zahlen hängen. Vielleicht stehe ich auch einfach am 24.12. ganz früh auf und stoße ganz ungewollt aber äußerst vorsichtig (die meisten Sachen waren bisher in Glasfläschchen verpackt) den Adventskalender oben vom Kühlschrank herunter, so dass der Inhalt hoffentlich nicht kaputtgeht, sich das Türchen aber irgendwie von alleine öffnet. Da kann ich dann ja gar nichts für.

Ich hoffe nur, dass die Bescherung auf dem Küchenfußboden die Stimmung zu Weihnachten nicht nachhaltig trüben wird.