vergessen

Ende März 2021 habe ich viel nachdenken müssen über das Vergessen. Dieses Thema ist im Alltag präsent, im Büro und natürlich auch beim Zinken. Um alles, was ich beim Zinken bisher gelernt habe nicht zu vergessen, habe ich eine prima Lösung gefunden:

Wenn man älter wird kann es vorkommen, dass man mal etwas vergisst. Das finde ich auch gar nicht schlimm. Eigentlich finde ich es sogar ganz lustig, wenn ich im Hauswirtschaftsraum vor unserem Vorratsschrank stehe und genau weiß, dass ich etwas holen wollte, aber nicht mehr genau, was. Zurück in der Küche fällt mir dann natürlich sofort wieder ein, was mir fehlt und dann laufe ich innerlich schmunzelnd ein zweites Mal zum Vorratsschrank.

Manchmal liege ich abends schon bequem und entspannt auf dem Sofa herum wenn unsere Geschirrspülmaschine mit einem akustischen Signal darauf aufmerksam macht, dass sie fertig ist. Meist reagiere ich ein wenig unwillig auf das Piepsen, stehe aber auf und gehe in die Küche, um die Maschine auszuschalten. Ich mache dann auch irgendetwas in der Küche oder hole mir was zu trinken. Und wenn ich dann wieder auf dem Sofa liege piepst die Maschine erneut und mein Mann fragt, ob ich nicht eigentlich den Geschirrspüler ausstellen wollte.

Das sind häufig Situationen, in denen ich nicht voll angeschaltet im Hier und Jetzt bin und ein wenig schläfrig vor mich hinträume.

Aber auch wenn ich hochkonzentriert und -motiviert bin kann es sein, dass ich Dinge vergesse. Im Zinkunterricht laufe ich ja sozusagen auf Hochtouren und bin zu 100 % wach und angeschaltet um auf allen Kanälen alles an Informationen mitzubekommen und aufzunehmen und nichts zu verpassen. Da ist es mir dann aber auch schon passiert, dass ich mitten in einem schnellen Lauf abbreche, weil ich nicht mehr weiß, wie der nächste Ton gegriffen wird. Das ist nun natürlich völlig absurd, weil ich eigentlich nur meine Finger laufen lassen müsste, die wissen ja von alleine, wie es weitergeht. Und selbstverständlich kenne ich den richtigen Griff. Aber in manchen Augenblicken scheint sich mein Hirn – vielleicht vor lauter Anspannung – zu verknoten und setzt dann kurzzeitig mal aus. Bisher ist mir das nur im Unterricht oder beim häuslichen Üben passiert und noch nicht in einer Vortragssituation. Daher finde ich das bislang auch eher erheiternd.

Es gibt natürlich auch Situationen, in denen ein Vergessen nicht einen selber zum Lachen bringt, sondern andere Menschen schmerzt. Wenn man vergisst, Verabredungen abzusagen, erwartete Rückrufe zu tätigen oder sich an Geburtstagen zu melden, kann das auf die „Vergessenen“ irritierend bis verletzend wirken. Manche Menschen vergessen im hohen Alter komplett, wer sie selber und wer die Menschen sind, mit denen sie da gerade zusammen sind. An diesen Situationen kann keiner etwas ändern, trotzdem ist es für die Angehörigen nur schwer auszuhalten und schmerzt.

In unserem gesamten Leben häufen wir Unmengen an Wissen an. Dabei gibt es Dinge, die man nicht unbedingt wissen muss wie z.B. die Tatsache, dass der 01. März der Welttag der Komplimente ist, gleichzeitig auch der Tag des Fruchtkompotts und der Tag des Schweins. Die lateinischen Deklinationsendungen -us, -i, -o, -um, -o, -i, -orum, -is, -os, -is könnte ich nachts im Halbschlaf vorbeten, wenn man mich um halb drei dafür wecken würde (wer jemals Latein gelernt hat weiß, wovon ich spreche). Seit ich aber die Schule verlassen habe, habe ich die lateinischen Endungen nicht mehr gebraucht, außer vielleicht mal zum Angeben, wenn ich den Plural eines Wortes richtig bilden konnte. In der Schule habe ich eine ganz gute Allgemeinbildung vermittelt bekommen. Viel Detailwissen (Lateinvokabeln, physikalische Formeln, Geschichtszahlen usw.) habe ich zwar mittlerweile wieder vergessen, weil ich es nie mehr gebraucht habe. Immerhin weiß ich aber sehr genau, wo und wie ich mir Informationen beschaffen kann. Man muss ja nicht immer alles ganz genau wissen. Man sollte aber wissen, wo es geschrieben steht und ob man der Quelle vertrauen kann.

Wissen ist über Jahrtausende hinweg mündlich oder praktisch weitergegeben worden. Mit Erfindung der Schrift hat sich die Menschheit einen grenzenlosen Wissensspeicher geschaffen, in dem alles Wissen der Welt gesammelt werden kann. Durch die Sammlung und Ablage von Wissen soll verhindert werden, dass Dinge in Vergessenheit geraten. Eine Ablage ist dabei nur dann zielführend, wenn sie so aufgebaut ist, dass man Dinge auch wiederfinden kann.

Mit der Digitalisierung eröffnen sich in heutiger Zeit nochmal ganz neue Dimensionen der Wissensablage. Dabei merke ich, dass ich doch ein wenig Vorbehalte gegenüber lernender künstlicher Intelligenz habe. Ich orientiere mich mit der Ordnung meines Wissens gerne an Systemen, die ich selber vorgebe. Aktuell bin ich in dienstlichen Zusammenhängen dabei, Wissen in digitaler Form abzulegen. Um den Überblick zu behalten, gebe ich meiner Ablage eine bestimmte Struktur und hoffe, dass ich dabei an alles denke, nichts vergesse und hinterher alles wiederfinde. Ein junger Kollege hat aber eigentlich recht mit seinem Einwand, dass das System an sich über Suchfunktionen verfüge, Dinge selber ordne, und ich mein Denken und meine Herangehensweise ändern müsse. Diesen Einwand kann ich leider nicht vergessen und seitdem hinterfrage ich nun meine Denkmuster und denke dabei eben auch über das Vergessen nach. Immerhin haben natürliche Personen in der digitalen Welt ein „Recht auf Vergessenwerden“, das dürfte dann ja auch für juristische Personen und Sachinformationen gelten.

Eigentlich ist es ja ein bisschen gemein oder zumindest bevormundend von meinem Gehirn, dass es nicht zulässt, dass ich selbst bestimme, was ich vergessen möchte. Einiges, was ich gerne vergessen will, kann ich nicht vergessen, dafür ist anderes, an das ich mich gerne erinnern würde, wie ausgelöscht in meinem Hirn.

Der Zink war ja nun selber lange Zeit in Vergessenheit geraten und wird erst seit einigen Jahrzehnten wieder gespielt. Auch das Wissen darüber, wie man so zinken kann, dass als Ergebnis der Bemühungen auch wirklich ein schöner Klang ertönt und nicht ein penetrantes Getröte, war vergessen und musste mühsam neu entdeckt und entwickelt werden.

Damit dieses Wissen nun nicht wieder verlorengeht, habe ich ein Zinklexikon geschrieben, in dem ich alles, was ich von meinem Lehrer Gebhard David bisher gelernt habe so, wie ich es verstanden habe, alphabetisch sortiert abgelegt habe. Dabei nutze ich zum einen die Schriftform und habe das Dokument zum anderen aber auch digital in diesem Blog abgelegt, da ich ja durchaus den Nutzen der Digitalisierung erkennen kann. Auf der neuen Seite „über das Zinken“ ist der Link zum Lexikon hinterlegt.

Vergessen habe ich beim Schreiben des Lexikons natürlich auch etwas, das habe ich aber tatsächlich heute erst gemerkt, nachdem das Lexikon bereits eine Woche veröffentlicht ist. Ein ganz zentrales Thema beim Zinken ist der „Bauch“ und der kommt im Lexikon überhaupt nicht vor. Beim Zinken habe ich in der Anfangszeit häufig vergessen, den „Bauch einzuschalten“ und mein Zinkklang war dann nicht entspannt, sondern sehr eng dimensioniert, angespannt und häufig zu hoch. Mittlerweile vergesse ich meinen Bauch beim Zinken nur noch äußerst selten und in der überarbeiteten zweiten Auflage meines Lexikons, mit der ich heute gleich beginnen werde um das nicht zu vergessen, wird der Bauch dann auch die ihm gebührende Aufmerksamkeit bekommen.   

Ich wünsche viel Freude beim Studieren des Lexikons!

Und wer mit der Zeit aus Versehen vergisst, wie und wo er das Lexikon wiederfindet, kann einfach nach den Schlagworten „Zinklexikon“ und „vergessen“ im Internet suchen. Dann sollte dieser Beitrag zu finden sein, von hier aus gelangt man auf die neue Seite und kann dort dem Link zum Lexikon folgen.