lebenslanges Lernen

Lernen macht glücklich! Hier meine Gedanken dazu aus Oktober 2018:

Ein Mensch ist in der Lage, sein ganzes Leben lang Neues zu lernen. Um den Erwerb neuen Wissens kann man sich dabei aktiv kümmern, indem man zum Beispiel Bücher oder Zeitungen liest, ein Studium beginnt oder mit einem neuen Hobby anfängt. Man kann aber auch beiläufig im alltäglichen Leben von anderen Menschen lernen, wenn man nur offen dafür ist und sich darauf einlässt.

Auf meinem Weg zur Arbeit pendle ich mit der Bahn und darf dabei fast jeden Tag etwas dazulernen. Von Vorteil ist dabei, dass ich ein Morgenmensch bin und auch schon um 6:00 Uhr früh aufnahmebereit bin für neue Impulse.

Vor einiger Zeit waren drei Studentinnen nach einem ersten Semester Altspanisch auf dem Weg zu einer Prüfung und sind morgens im Zug gemeinsam die Grundzüge der altspanischen Grammatik durchgegangen. Da habe ich viel aufschnappen können, was ich sicher später mal irgendwann gebrauchen kann. Ein anderes Mal hat ein Geschäftsmann zusammen mit seiner Sekretärin, mit der er in regem telefonischem Austausch stand, einen wichtigen Geschäftstermin in Moskau geplant inklusive Flug- und Hotelbuchung und ein paar grundlegender Begrüßungsfloskeln auf Russisch. Auch dies könnte für mich zukünftig ja vielleicht noch einmal wertvoll werden. Unübertroffen mit seinem  Wissensschatz ist mir ein weiterer Herr in Erinnerung geblieben, der seinen Gegenüber ausführlich aufgeklärt hat über die Vorzüge der Jagd auf Gänse bei Frost, seinen letzten Urlaub auf den Malediven und was man so alles beachten sollte, wenn man das erste Mal dahin fährt, die historische Begründung, warum es ein Landwirtschaftsministerium gibt aber kein Bauingenieursministerium , die politische Lage in Bayern, sein Treffen mit der Kanzlerin in Berlin sowie die neuesten Eskapaden seines Hundes und warum er das nächste Mal eine andere Rasse wählen würde.       

Bei einem Kurzurlaub neulich war im Frühstückraum unseres Hotels ein Kaffeevollautomat aufgestellt, bei dem man grundsätzlich die Wahl hatte zwischen 25 verschiedenen Produkten (Café Crema, Café Latte, Milchkaffee, Espresso und weitere Spezialitäten, aufgeschäumte Milch in verschiedenen Varianten und heißes Wasser). Dabei waren aber nicht alle Produkte auch tatsächlich verfügbar. Die vorhandenen Sorten waren durch erleuchtete Tasten gekennzeichnet. Ein extrem überforderter Gast hat sich laut vernehmlich und sehr mühevoll mit der Funktionsweise der Apparatur vertraut gemacht und es am Ende zur Erleichterung aller Anwesenden tatsächlich geschafft, einen Café Crema für sich zu ziehen. Zehn Minuten später stand er wieder an der Maschine und hat als nunmehriger Experte einen dankbaren neuen  Gast zusammen mit den aufmerksam lauschenden anderen Frühstückenden in die Funktionsweise des Kaffeevollautomaten eingewiesen und die Genialität der Apparatur gepriesen. Ich habe mich sehr für den Menschen gefreut, dass er in so kurzer Zeit so erstaunliche Lernfortschritte machen konnte.

Mein Arbeitgeber bietet uns Mitarbeitenden ein Gesundheitsprogramm an und regelmäßig können wir im Rahmen dieses Programms an sogenannten „bewegten Pausen“ teilnehmen. Wir machen dann unter Anleitung von Physiotherapeuten oder Fitness-Coaches Dehnübungen für den Schulter-Nacken-Bereich oder Lockerungsübungen im Treppenhaus. Besonders die „Step by Step“ Trainingseinheiten auf der Treppe sind sehr anregend. Es ist spannend, wie sich die Wahrnehmung einer Treppe und des eigenen Körpers verändert, wenn man die Stufen seitwärts, rückwärts, mit Drehungen oder sogar mit geschlossenen Augen hinaufgeht. Im letzten Jahr habe ich dabei feststellen müssen, dass ich nicht in der Lage war, mit geschlossenen Füßen eine Stufe hinaufzuspringen. Alle anderen Kursteilnehmer waren längst oben angekommen, da stand ich noch immer bewegungslos und wie eingefroren vor der untersten Stufe und mein Hirn wusste nicht, welchen Muskeln es welche Befehle geben sollte, damit ich nicht weiter am Boden kleben bleibe.

Das hat mich ziemlich beschäftigt und ich habe die Sache mit meinem Trainer im Fitnessstudio besprochen. Er hat mir ein Step Brett geholt und ich musste mich daneben stellen und neben dem Brett kleine Hüpfer machen. Das klappte irgendwann ganz gut. Nach einigen Wochen habe ich die ersten Sprünge auf das Brett gewagt und noch viel später dann sogar noch eine Erhöhung darunter gebaut. Es muss aber schon ein erheiternder Anblick gewesen sein, wie ich in der Mitte des Studios meine kleinen Hüpfer neben dem Brett  gemacht habe während um mich herum schwitzende Muskelprotze unter lautem Stöhnen Klimmzüge und einarmige Liegestütze gemacht und riesige Gewichte gestemmt haben. Im November startet der nächste Step by Step Kurs, da werde ich meine neuen Hüpf-Künste hoffentlich vorführen können.

Durch meine Zink-Studien lerne ich ständig neue und zum Teil unerwartete Sachen dazu. Das hat dabei nicht immer nur mit Musik zu tun und manche praktischen Tipps kann ich auch in meinem Privatleben oder Berufsalltag gut nutzen. Bei mir ist es zum Beispiel so, dass ich vor neuen oder herausfordernden Situationen oftmals aufgeregt bin. Ich habe gehört, dass man sich mit verschiedensten Affirmationen oder Mantras selbst beruhigen kann.  Das versuche ich auch und suche mir dazu immer ganz viele schöne aus wie zum Beispiel: „ich bin ganz bei mir“, „alles fließt“, „ich umarme die Unvollkommenheit“, „ich gehe den Herausforderungen des Tages mit Freude entgegen“, „ich bin ruhig und gelassen“, usw. Scheinbar kollidieren aber in Stresssituationen die ganzen unterschiedlichen Mantras miteinander und legen mein Gehirn komplett lahm, so dass gar nichts mehr funktioniert. Vielleicht habe ich da aber auch was falsch verstanden und eine möglichst hohe Anzahl gleichzeitig verwendeter Mantras ist gar nicht ausschlaggebend für ein gutes Gelingen.

Im letzten Zink Unterricht habe ich eine neue Artikulationstechnik gelernt. Diese soll zudem zur Entspannung beitragen die dabei nicht im Kopf, sondern auf körperlicher Ebene angestoßen wird. Die Theorie dahinter, also wie und warum das funktioniert, habe ich nicht ganz genau verstanden. Erarbeiten werde ich mir das aber natürlich trotzdem bis zur nächsten Stunde. Bei der Vorbereitung dazu wippt man in Schrittstellung locker mit leicht gebeugten Knien hoch und runter und stößt bei jeder Bewegung nach unten mit dem Laut „Uff“ ein wenig Luft aus. Ungewohnt fühlt es sich dabei für mich an, dass ich nicht wie im Fitnessstudio antrainiert mein Gesäß nach hinten strecke sondern bei den Abwärtsbewegungen mit langem unterem Rücken das Becken nach vorne kippe. Das muss ich erstmal üben. Mein Trainer im Studio war von dieser völlig unüblichen Variante der Kniebeuge nicht sehr angetan. Ich bin mir nicht sicher, ob ich ihn letztlich überzeugen konnte oder ob er einfach nur aufgegeben hat zu diskutieren, jedenfalls übe ich meine Kniebeugen im Studio nun auf Zink-Art. Wenn ich dabei auf einem Wackelbrett stehe, hat sich bisher zwar noch keine entspannende Wirkung entfaltet, aber ich habe ja auch gerade erst mit dem Üben angefangen.

Sobald ich diese neue Technik sicher beherrsche, kann ich sie wunderbar überall da anwenden, wo ich mein Hirn parallel noch für andere Dinge benötige. In ein paar Wochen werde ich meinen Arbeitsplatz wechseln und zu meinem neuen Aufgabenbereich werden unter anderem auch Prozessvertretungen gehören. Bis ich da ein wenig Routine habe, werden die ersten Gerichtstermine wahrscheinlich sehr aufregend für mich sein. Ich gehe aber zuversichtlich davon aus, dass ich vor Beginn der Sitzungen oder auch währenddessen die Gelegenheit haben werde, mich mit der Zink-Entspannungs-Technik zu beruhigen und zu erden. Vorstellen werde ich mir dabei dann einfach, dass ich im Fitnessstudio stehe und kleine Hüpfer mache. Dann wird mir das sicherlich nicht peinlich sein. Und wer weiß, vielleicht möchte der eine oder andere Richter die Technik ja auch gerne lernen.