Kleidung

Anfang Dezember 2020 hat mich das Turmblasen zum Nachdenken gebracht über Vorurteile und Schubladendenken:

Kleider machen Leute. Bewusst oder unbewusst schätze ich andere Menschen auf den ersten Blick ein und mache mir ein Bild von ihnen. Ihre Kleidung hilft dabei. Einen Menschen in einem Krankenhaus, der einen weißen Arztkittel trägt, ordne ich als Arzt ein. In der Regel habe ich dann auch gleich schon eine passende Schublade für ihn: gute Schulbildung, Lateinkenntnisse, hohes Einkommen, möglicherweise musisches Hobby, hört auch klassische Musik usw. Einen Menschen in der entsprechenden Uniform erkenne ich als Soldaten oder Polizisten, jemand in der Kirche mit einem schwarzen Talar wird ein Pfarrer sein und jemand in einem Anzug vielleicht ein Rechtsanwalt, Börsenmakler oder Mitarbeiter in der Teppichetage in einem größeren Konzern. Und ein Mensch, der sich im Winter in mehrere schmuddelige Kleidungsstücke übereinander einmummelt, hat wahrscheinlich keinen festen Schlafplatz.

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Freiheit

Mitte Oktober 2020 stehen wir in Deutschland am Beginn der Zweiten Welle der Corona Pandemie und es ist erstaunlich, wie viele Einschränkungen unserer persönlichen Freiheitsrechte wir vor lauter undefinierter Angst einfach so akzeptieren. Dabei ist Angst keine Lösung!
Und irgendwie hängt das auch alles mal wieder mit dem Zinken zusammen:

In Deutschland können wir in Freiheit leben. Artikel 2 unseres Grundgesetzes regelt in seinen zwei Absätzen: (1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt. (2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.

Diese Freiheit ist in unserer Kultur ein hart erkämpftes hohes Gut. Es gibt andere Kulturen, in denen die persönliche Freiheit des Einzelnen weniger wichtig ist als zum Beispiel das Wohl der Familie oder der kollektive wirtschaftliche Fortschritt. Ich bin aber sehr froh und dankbar, dass ich in einer Gesellschaft lebe, in der ich selber bestimmen kann, wie ich leben möchte und auch das grundgesetzlich verbriefte Recht dazu habe.

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genug

Muss man sich bevorraten und sicherheitshalber mehr von allem horten, als man tatsächlich braucht? Ist weniger mehr? Meine Zink-Unterrichtsstunde Anfang September 2020 hat mich mal wieder über so einiges zum Nachdenken gebracht:

Es gibt viele Dinge, von denen man nicht genug haben kann. Dazu gehören Liebe, Humor, Optimismus, Lebensfreude und Gesundheit. Bei all diesen Dingen gibt es keine Obergrenze und eine Beschränkung des Wachstums wird in der Regel wohl auch niemand freiwillig vornehmen. Es gibt auch viele Dinge, die man unbegrenzt an andere Menschen weitergeben kann wie z.B. Liebe, Humor, Optimismus, Lebensfreude, ein Lächeln, menschliche Wärme und positives Feedback. Auch hier gibt es keine Begrenzung und die Ressourcen scheinen sich auch nicht zu verringern sondern auf wundersame Weise zu vermehren, je mehr man davon abgibt.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch viele Dinge, von denen man nur glaubt, nicht genug haben zu können.

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Hilfsmittel

Mitte Juli 2020 mache ich so langsam einige Fortschritte an meiner Lieblingsbaustelle beim Zinken: der Doppelzunge. Manchmal können einem auch ganz unerwartete Dinge beim Weiterkommen helfen:

Um uns das Leben zu erleichtern, können wir auf eine Vielzahl von Hilfsmitteln zurückgreifen. Manchmal sind es dabei die kleinen Dinge, die einen ganz praktischen Nutzen haben. Dazu gehört beispielsweise Tesafilm, mit dem man nahezu alles – zumindest vorübergehend – reparieren kann. Oder auch Post-it Haftnotizzettel, die man wunderbar überall hin kleben und ebenso wunderbar und ganz leicht wieder entfernen kann.

Auch unser Gehirn bedient sich so mancher Hilfsmittel, um energieeffizient die gewünschten Ergebnisse zu liefern. Eselsbrücken sind beliebt, um sich Dinge besser merken zu können. „Drei-drei-drei, bei Issos Keilerei“ erinnert an die Schlacht Alexanders des Großen bei Issos um 333 v.Chr. Der Spruch „Sieben-fünf-drei, Rom kroch aus dem Ei“ hilft bei der zeitlichen Einordnung der Gründung Roms. Mit dem Merksatz „Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unsere neuesten Pläne“ konnte man sich ganz leicht Weiterlesen „Hilfsmittel“

Sternzeichen

In letzter Zeit sind mir beim Zinken und auch anderswo häufiger mal Frösche begegnet. Das hat mich Mitte Juni 2020 zu folgender Geschichte inspiriert:

Anfang Juli, also schon im nächsten Monat, habe ich Geburtstag. Mein Sternzeichen ist daher der Krebs. Meinen Aszendenten, der ja auch irgendwie bei Horoskopen ganz wichtig ist, weiß ich leider gar nicht. Vielleicht ist das aber auch ganz gut so, weil mich das sonst noch zusätzlich verwirren würde.

Auch so führen Horoskope bei mir häufig mal zu Unsicherheiten. Ich habe zwei Tageszeitungen abonniert, eine von meinem Wohn- und die andere von meinem Arbeitsort. In beiden lese ich neben den Sportteilen immer auch die Horoskope. Weiterlesen „Sternzeichen“

Positionen

Ende Mai 2020 befinden wir uns immer noch in den Fängen der Corona Krise, aber erste Lockerungen des Lockdown hat es gegeben. Zudem erscheint es mittlerweile möglich, dass ich noch in diesem Jahr wieder mit anderen Menschen zusammen musizieren kann.

In unserer Familie spielen wir gerne und häufig Gesellschaftsspiele. Auch am letzten Wochenende haben wir uns wieder einen vergnüglichen Doppelkopf-Nachmittag gemacht. Von identischen Ausgangspositionen aus war ich nach einem Sieg kurzzeitig auf dem ersten Platz. Im Laufe des Nachmittags hatte ich dann aber Pech mit meinen Blättern oder mit dem Blatt meines jeweiligen Mitspielers und habe vielleicht auch an der einen oder anderen Stelle den Spielverlauf falsch eingeschätzt. Dadurch bin ich stetig in der Rangliste abgestiegen, bis ich schließlich auf der letzten Position gelandet bin. Das Ganze war ja aber nur ein Spiel und meinen mit Abstand letzten Platz habe ich akzeptiert und den liebevollen Spott meiner Familie mit Humor und Fassung getragen.

Auch im richtigen Leben findet man sich hin und wieder überraschend auf Positionen wieder, die man unerwartet erreicht hat oder die sich zufällig ergeben haben. Weiterlesen „Positionen“

Flexibilität

Anfang Mai 2020 hat sich unser aller Leben durch die Corona-Krise stark verändert. Nach etwas mehr als sieben Wochen mit zum Teil massiven Einschränkungen hat die Belastung jedes Einzelnen stark zugenommen und ich nehme irritiert eine steigende Aggressivität bei ganz normalen Alltagsbegegnungen wahr. Auch ich selber fühle mich mittlerweile verunsichert von der sich ständig verändernden und zum Teil widersprüchlichen Lage. Hier mein Versuch, damit irgendwie umzugehen:

Seit bald drei Jahren habe ich mittlerweile Zinkunterricht und plage mich seitdem mit den Tücken des Instrumentes herum. Es gibt ein paar unumstößliche Wahrheiten beim Zinken. Eine davon lautet: „irgendwas ist immer“. Beim Zinken spielen unglaublich viele einzelne Faktoren zusammen und die kleinste Störung von auch nur einem dieser Faktoren wirkt sich augenblicklich und unmittelbar auf das Klangergebnis aus. Um einen perfekten Klang zu erzielen kommt es u.a. an auf die Feuchtigkeit der Lippen, ihre Geschmeidigkeit, Unversehrtheit und Spannung, den richtigen Ansatzpunkt, -druck und –winkel des individuell am besten geeigneten Mundstückes, die für jeden einzelnen Ton etwas andere Ausformung des Mundraumes und der Gaumenhöhle, die richtige Luftführung in Bauch- und Brustraum, die vorteilhafteste Luftmenge, das abgestimmte Maß an Spannung bzw. Entspannung im Brustraum, die richtige Fußstellung eine insgesamt schwingende oder schwingfähige Körperhaltung bis hin zu diversen differenzierten Artikulationstechniken.

Man könnte Zinken auch als eine Art Praxis im Dauer-Troubleshooting bezeichnen. Weiterlesen „Flexibilität“

Schutzmaßnahmen

Mitte April 2020 versuche ich, in der Coronakrise mithilfe von kreativen Schutzmaßnahmen gesund zu bleiben und vor allem weiter gesundheitlich unbedenklich zu zinken:

In der augenblicklichen, durch das Corna Virus herbeigeführten unsicheren und zum Teil auch beängstigenden Situation ist jeder einzelne Mensch gefordert, sorgsam auf sich und seine Mitmenschen aufzupassen. Soweit ich das verstanden habe geht es darum, Zeit zu gewinnen, damit Ärzte und Krankenhäuser sich auf eine steigende Zahl von an COVID-19 schwer erkrankten Personen einstellen und mehr Menschenleben retten können. Persönlich muss ich also alles tun, damit ich mich nicht jetzt, sondern zu einem noch nicht genau definierten späteren Zeitpunkt mit dem Virus infiziere. Eine Durchseuchung der Bevölkerung muss ja nun schließlich irgendwann stattfinden um eine Herdenimmunität von mindestens 70 % zu erreichen. Mein Ziel ist es also, zum jetzigen Zeitpunkt gesund zu bleiben und eine Ansteckung mit dem Virus zu vermeiden. Weiterlesen „Schutzmaßnahmen“

Veränderung

Mitten in der Coronakrise, Ende März 2020 habe ich eine Geschichte darüber geschrieben ohne eins der folgenden Wörter zu benutzen: Katastrophe, Atemschutzmaske, Klopapier und Nudeln. Das war eine ganz schön große Herausforderung aber es ist mir gelungen:

Unser Leben ist vom Beginn bis zum Ende ständigen Veränderungen unterworfen. Schon der griechische Philosoph Heraklit von Ephesos (um 535 – 475 v. Chr.) formulierte: „Die einzige Konstante im Universum ist die Veränderung.“

Es gibt gleichmäßige und langsame Veränderungen wie die stetige Ausdehnung des Weltalls, das allmähliche, über Jahrmilliarden andauernde Verlöschen unserer Sonne, auseinanderdriftende Kontinentalplatten auf unserem Planeten, wechselnde Warm- und Kaltzeiten, die Entstehung neuer Arten, sich wandelnde Formen gesellschaftlichen Zusammenlebens sowie körperliche Entwicklungen und Rückentwicklungen ab Zeugung/Entstehung von Leben bis zu dessen Sterben. Weiterlesen „Veränderung“

Mengenlehre

Anfang März 2020 habe ich über einiges nachdenken müssen, was irgendwie alles zusammenhängt, auch wenn man das erst nicht meint. Beschäftigt haben mich das beeindruckende Buch „Würde“ von Gerald Hüther, ein schönes neues Wort, das ich im Zusammenhang mit LGBTQIA gelernt habe und beim Zinken mein lange währender Kampf mit der Artikulationstechnik „Doppelzunge“. Und natürlich noch einiges andere:

Als ich in der Grundschule war, haben wir uns im Mathematikunterricht eine Zeit lang mit der Mengenlehre beschäftigt. Ich weiß gar nicht, ob das heutzutage überhaupt noch in den Lehrplänen enthalten ist, aber wir haben seinerzeit einzelne Teilchen unterschiedlichen Teilmengen zugeordnet, die alle Bestandteile einer Gesamtmenge waren. So gab es rote Teilchen, die wir der einen Menge zu sortiert haben, eine andere Menge bestand aus lauter blauen Teilchen. Manchmal konnte man auch einzelne Teilchen zwei oder mehr Mengen gleichzeitig zuordnen. Diese Elemente haben dann eine Schnittmenge gebildet. Einige Elemente konnte man keiner Menge zuordnen, die standen außen vor und waren sozusagen Außenseiter. Letztlich kann man aber natürlich auch alle Außenseiter zu einer Menge zusammenfassen. Dann sind die einzelnen Teilchen nicht so alleine sondern ebenfalls einer Menge oder Gruppe zugehörig. Weiterlesen „Mengenlehre“